Der Begriff des gläsernen Menschen hat in unserem Zeitalter der Technologie und Möglichkeiten der Kommunikation eine neue Stufe erreicht. Das Bedürfnis, ja der Zwang vieler vorrangig jugendlicher Nutzer, sich öffentlich zu zeigen und zu profilieren, ist alltäglich geworden. Chatten mit Unbekannten, Freundschaften schließen mit Wildfremden. Das Internet macht's möglich. Ein Serienkiller hingegen ist ein seltenes Phänomen in Deutschland, da er nicht so leicht in der Masse untergeht wie beispielsweise in den riesigen Vereinigten Staaten von Amerika. Und doch sieht einer es als Herausforderung an, Dates, die er im Internet kennengelernt hat, gleich reihenweise zu töten, ihnen nach ihrem Tod ein neues Profilbild in Schockstarre zu verpassen und als Souvenir jeweils eine Hand mitzunehmen, die er schön säuberlich nebeneinander in seinem Keller aufhängt. Nachdem ihm eine weitere junge Frau ins Netz geht, sagt deren Freundin Natascha dem Killer öffentlich in einer TV-Talkrunde den Kampf an. Eine Herausforderung, der sich der Killer nur allzu gerne stellt.

GEFÄLLT MIR passt in keine Schublade und legt selbst auch keine Schablone an. Er erfindet das Genre nicht neu, definiert sich selbst jedoch auf ganz eigne spritzige Art und nicht ohne Kritikfähigkeit über seine interessante Erzählstruktur, samt seinen Helden und Opfern. Dabei gibt es auch einige bewundernswerte mutige Sprünge, die gängige Muster in ihre Schranken verweisen und einem die Lust des jungen deutschen Genrefilms am Umbruch vor Augen führen. Gesellschaftskritik gar nicht mal mit der groben Kelle, nuancierte AUssagen, die anfänglich polemisierend erscheinen, zeigen sich plötzlich in einem anderen Gewand; Reizthemen werden durch den dezenten Einsatz von Komik-Elemnten enttabuisiert und verpassen dem ambitionierten Werk eine ganz eigene Note. Tobias Schenke und Charles Rettinghaus geben als ermittelndes Polizisten-Duo den einen oder anderen zündenden Gag zum Besten und reihen sich klangvoll in die Reihe der anderen beteiligten, nicht unbekannten Darsteller. Eine echte Entdeckung.

YAZID BENFEGHOUL, DEADLINE - Das Filmmagazin

Isabella Vinet und Tobias Schenke nehmen auf dem Genrefilm-Festival "Cinestrange" in Braunschweig den Preis an.

Erster Platz für "Gefällt Mir"!